
Wenn Jugendliche mit Suchtmitteln wie Alkohol, Zigaretten oder Cannabis in Kontakt kommen, stehen viele Eltern zwischen Sorge, Angst und Hilflosigkeit.
In meiner Ursprungsfamilie hatte Alkohol einen hohen Stellenwert – ich habe erlebt, wie regelmäßiger Konsum Menschen verändert. Für mich war früh klar: Ich trinke selbst nicht, weil ich die Folgen zu sehr fürchtete. Auch heute werde ich auf Partys immer noch erstaunt gefragt, warum ich keinen Alkohol trinke.
Meine Kinder kennen es nicht anders, dennoch habe ich ihnen nie verboten, ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Alles, was Eltern verbieten, wirkt auf Teenager oft besonders verlockend.
Dieses Thema begleitet mich seit meiner beruflichen Zeit in der Jugendarbeit. Deshalb gebe ich dir hier einen Überblick über Jugendliche, Suchtmittel, Risiken und Handlungsmöglichkeiten.
Früher hat sich dein Kind vielleicht angewidert abgewendet, wenn jemand geraucht hat. Vielleicht kam sogar der Satz: „Iiiih, wie kann man nur rauchen – das stinkt ja widerlich!“
Umso größer ist der Schock, wenn plötzlich:
• die Kleidung nach Rauch riecht
• eine Zigarettenschachtel in der Jackentasche auftaucht
• eine E-Zigarette beim Wäschewaschen gefunden wird
Dann folgen vielleicht:
• leere Alkoholflaschen – tief im Mülleimer vergraben
• ein Teenager, der betrunken von der Party heimkommt
• beiläufige Gespräche über das letzte Kiffen
Was als vages Bauchgefühl beginnt, wird zur bitteren Gewissheit:
„Mein Kind ist doch noch viel zu jung für sowas …!“
Eine Welle aus Sorge, Wut, Ohnmacht und Angst rollt los. Typische Gedanken vieler Eltern:
• Ist das eine normale Phase – oder schon gefährlich?
• Was habe ich falsch gemacht?
• Wie spreche ich es an, ohne dass es eskaliert? Manche Eltern zögern auch, weil sie selbst rauchen oder regelmäßig Alkohol trinken.
👉 Wenn dich das beschäftigt: Du bist nicht allein.
Und:
Du kannst Einfluss nehmen. Nicht jeder Konsum ist sofort gefährlich – aber es lohnt sich hinzuschauen. Jede Art von Drogen ist Zellgift für das Gehirn, das gerade in der Pubertät noch im Umbruch ist.
Vielleicht fragst du dich jetzt:
„Ist das, was ich erlebe, noch im Rahmen – oder verharmlose ich gerade etwas?“
Laut dem Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit www.bioeg.de, ehemals BZgA, konsumieren Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren unterschiedlich:
👉 Probieren ist nicht gleich Abhängigkeit. Entscheidend ist, welche Funktion der Konsum für dein Kind erfüllt. Viele Jugendliche testen Grenzen und wollen dazugehören. Wichtig sind: Wie oft? Warum? In welchem Kontext?
Alkohol, Zigaretten oder Cannabis wirken kurzfristig entspannend – kein Wunder, dass sie in der Pubertät besonders verlockend sind.
Denn diese Phase ist eine Zeit großer innerer Veränderungen, nicht nur im Verhalten, sondern auch im Gehirn:
- Der präfrontale Cortex – zuständig für Impulskontrolle & Risikoabschätzung – ist noch nicht vollständig entwickelt.
- Das Belohnungssystem arbeitet auf Hochtouren und reagiert stark auf Belohnungen und neue Erfahrungen.
Zusätzlich gibt es Risikofaktoren, die den Konsum wahrscheinlicher machen können:
- fehlende emotionale Bindung oder Kälte in der Familie
- psychische Belastungen wie Trennung, Leistungsdruck oder Streit
- Vorbilder im Umfeld oder in Medien, die den Konsum normalisieren
- fehlende Strategien zur Stressbewältigung
- ungelöste Konflikte oder Tabuthemen in der Familie
💡 Wichtig:
Nicht jedes Kind mit Risikofaktoren wird abhängig. Aber je mehr Einflüsse zusammenkommen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind gefährdet ist.
Deshalb brauchen Jugendliche verlässliche Beziehung, Orientierung und Halteseile, die sie durch diese spannende, aber herausfordernde Zeit tragen.
Unbedenklich(er), wenn …
• der Konsum selten ist (z. B. auf Partys)
• dein Kind offen bleibt und Absprachen einhält
• Alltag, Schlaf & Schulleistung stabil bleiben
• dein Kind über Erfahrungen spricht
Warnzeichen, bei denen du hellhörig werden solltest:
• regelmäßiger, heimlicher Konsum
• starke Stimmungsschwankungen, Rückzug, Antriebslosigkeit
• Geld verschwindet, Dinge werden verkauft
• neue, undurchsichtige Freundeskreise
• Gesprächsverweigerung, Wut oder Ausflüchte
✨ Dein wichtigstes Werkzeug:
dein Bauchgefühl – nicht zur Kontrolle, sondern zur achtsamen Beziehungspflege.
Wenn du erfährst, dass dein Teenager konsumiert hat, reagierst du vielleicht schockiert. Doch wie du jetzt handelst, macht den Unterschied.
Statt Drama – Klarheit:
„Ich habe mitbekommen, dass du Alkohol getrunken hast. Ich mache mir Sorgen – lass uns ehrlich darüber reden.“
Statt Kontrolle – Grenzen mit Liebe:
„Ich weiß, du willst frei entscheiden. Aber ich bin verantwortlich – für deine Sicherheit und Gesundheit.“
Statt Rückzug – Beziehung halten:
Keine Strafaktionen, keine Verhöre. Sondern Offenheit, Präsenz. Das klare Signal:
„Ich bleibe. Auch wenn ich nicht alles gutheiße.“
Viele Eltern fragen sich:
Muss ich das Zimmer durchsuchen oder das Handy checken?
Meine Haltung:
Nur bei akuter Gefahr.
Sonst lieber:
• beobachten und ehrlich ansprechen
• Grenzen setzen, wo nötig
• klare Absprachen treffen (z. B. zu Alkohol auf Partys)
• Vertrauen zeigen – nicht Gleichgültigkeit, sondern echtes Interesse
👉 Deine Haltung klar zeigen:
„Ich bin aufmerksam – aus Liebe. Nicht aus Misstrauen.“
Wenn du spürst:
„Ich komme allein nicht weiter“ – hol dir Hilfe.
Nicht aus Schwäche, sondern aus Liebe.
Hol dir Unterstützung, wenn …
• du dauerhaft beunruhigt bist
• du keinen Zugang mehr zu deinem Kind findest
• du dich hilflos oder überfordert fühlst
• deutliche Warnzeichen für eine Suchttendenz erkennbar sind
Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Akt von Verantwortung und Liebe.
👉 Je eher du handelst, desto besser die Chancen für Veränderung.
Elternsein heißt, Entscheidungen zu treffen, auch wenn Fragen bleiben 🤗
Wenn du gerade zwischen Sorge, Verantwortung und Nähe stehst, musst du da nicht alleine hindurch.
Ich begleite dich dabei, wieder klarer zu sehen – für dich und dein Kind.
Nutze diesen Link zur Kontaktaufnahme oder schreibe eine Email an mail(at)teenagerexpertin.de.

